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Warum im Advent die Totenglocke -nicht- läutet

Neulich läutete es mal wieder. Es war Samstag, 18 Uhr. Und es kam die Frage auf: „Wer ist denn gestorben?“ Doch weit gefehlt, denn zwischen der Totenglocke „St. Agatha“ und der kleinen Schwester, der „hl. Familie“ liegen 3 Halbtöne. Oder auch 280 kg.

Anders gesagt: die schwerere Totenglocke hat einen tiefen, dunklen, tragenden und ruhigen Klang, die etwas kleinere Glocke einen höheren, hellen und durchdringenden Klang. Es ist genau diese Glocke der hl. Familie, die Samstags gegen 18 Uhr und Sonntags gegen 11 Uhr, ebenso Dienstags um kurz vor 8 Uhr, den Gottesdienst ankündigt.

Zur Adventszeit wird etwas sparsamer geläutet, so erklingen unmittelbar vor dem Gottesdienst in der Adventszeit nur drei Glocken, nämlich die kleine Glocke „Petrus und Paulus“, die etwas größere Glocke „Maria“ und eben jene der „hl. Familie – Jesus, Maria, Joseph“.


Videos zur aus dem Kirchturm und dem Kirchengewölbe

Reparatur der Kirchturmuhr. Sie befindet sich oberhalb des Glockenstuhls in der Spitze des Kirchturms.

Wenn ein Mensch aus unserem Dorf verstirbt, dann wird die Totenglocke am Abend um 18 Uhr geläutet. Sie ist die größte Glocke der insgesamt 4 im Kirchturm hängenden Glocken. Der Durchmesser dieser Glocke beträgt 1099 mm und sie wiegt 740 kg. Sie wurde der Heiligen Agatha, der Patronin unserer Kirchengemeinde und damit auch unserer Pfarrkirche geweiht. Die Tonart ist

Inschrift (Höhe 3 cm): SANCTA AGATHA PATRONA NIEDERSFELDENSIUM INTERCEDE PRO POPULO TIBI COMMISSO. ANNO 1946.

Übersetzung: Heilige Agatha, Patronin der Niedersfelder, tritt ein für das dir anvertraute Volk! Im Jahre 1946.

Die „Totenglocke“ St. Agatha

Die zweitgrößte Glocke im Glockenstuhl des Kirchturms trägt folgende Inschrift:

JESUS MARIA JOSEPH SUBVENITE MORIENTIBUS
Übersetzung: Jesus, Maria, Joseph, steht den Sterbenden bei!

Gewicht: 460 kg
Durchmesser: 923 mm
Klang: a‘


Die dritte Glocke im Glockenstuhl des Kirchturms trägt folgende Inschrift:

AVE MARIA REGINA PACIS SALVE
Übersetzung: Gegrüßet seist du, Maria, du Friedenskönigin, sei gegrüßt!

Gewicht: 330 kg
Durchmesser: 813 mm
Klang: h‘


Und die kleinste Glocke, sie läutet am Morgen um 7 Uhr, zur Mittagsstunde um 12 Uhr und am Abend um 19 Uhr zum Angelus (Engel des Herrn)

Die Inschrift ist den Patronen der Dorfgemeinschaft gewidmet:

ST. PETRUS ST.PAULUS ″CREDO SPERO AMO″
Übersetzung: Hl. Petrus, hl. Paulus; “Ich glaube, ich hoffe, ich liebe“

Gewicht: 240 kg
Durchmesser: 733 mm
Klang: cis“


Die Glocke auf dem Friedhof begleitet den letzten Weg bis zum Grab.

Hier ein paar weitere Details zu den Glocken in unserer Kirche:

  • 1880: Kauf einer kleinen Glocke, Schlagton cis‘‘‘ bis d‘‘‘, 29 ½ Pfund, gegossen von Heinrich Humpert, Brilon, wahrscheinlich als Vorratsglocke
  • 1887/88: Bau der heutigen Kirche
  • 1917/18: Beschlagnahme von Glocken für die Rüstungsproduktion des Ersten Weltkrieges
  • 1921: Guss eines neuen Geläutes, Schlagtöne a‘-c‘‘-d‘‘, Gewicht insgesamt 801 kg, durch Fa. Junker & Edelbrock, Brilon
  • 1940/42: Beschlagnahme von Glocken für die Rüstungsproduktion des Zweiten Weltkrieges
  • 1946: Guss des heutigen Geläutes, Schlagtöne fis‘-a‘-h‘-cis‘‘, durch Fa. Albert Junker, Brilon

Weitere Informationen:

Die Glocken der St. Agatha Kirche und ihr Läuten sind Teil des Kirchenkreises und des liturgischen Lebens der Kirchenge­meinde. Glocken rufen zum Gebete oder zum Gottesdienst, sie verkünden den Tod eines Gemeindemitglieds oder begleiten Ereignisse des Dorfes oder der Welt. Sie strukturieren den Tag und jedes Läuten hat eine bestimmte Bedeutung.

In unserer Gemeinde laden Glocken vor jedem Gottesdienst zum Mitfeiern ein. Hier ein paar Besonderheiten des Läutens in Niedersfeld:

  • Regelmäßig wird eine Viertelstunde vor Beginn des Gottesdienstes geläutet.
  • Zu besonderen Zeiten im Jahr wird eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst vorgeläutet. Damit wird nicht nur zum Mitbeten und Mitsingen aufgefordert, auch jene, die den Gottesdienst nicht besuchen können, wissen nun, dass die Gemeinde zusammenkommt.
  • An Hochfesten oder zu besonderen Anlässen, wie zum Beispiel Hochzeiten, Erstkommunion- oder Firmfeiern wird nach dem Gottesdienst festlich geläutet.
  • Sofern an Sonntagen keine Heilige Messe stattfindet (weil diese am Vorabend gefeiert wurde), läutet es am Sonntagmittag. So wird der Sonntag geehrt.
  • In der Fastenzeit vor Ostern und in der Adventszeit vor Weihnachten, dann, wenn in der kirchlichen Liturgie die Farbe Violett getragen wird, läutet die größte und tiefste Glocke nicht mit. Es soll die besondere Zeit vor den Hochfesten noch einmal besonders inszenieren, gleichzeitig aber auch auf die Entbehrungen und besonderen Vorbereitungen auf die großen Feste. (mehr Infos dazu auf der Seite des Erzbistums)
  • Wenn jemand aus dem Dorf verstorben ist, dann kann auf Wunsch der Hinterbliebenen die größte und tiefste Glocke im Kirchturm läuten. Die „Totenglocke“ wird meist am Tag nach dem Sterbetag, nachdem die Todesnachricht im Pfarrbüro angezeigt wurde, am Abend um 18 Uhr für 9 Minuten läuten. Sie läutet auch zur Stunde der Beisetzung bzw. des Seelenamtes.
  • Morgens um 7 Uhr, Mittags um 12 Uhr und Abends um 19 Uhr läutet die kleinste der vier Glocken zum Angelus. Das „Angelus“ bezieht sich auf das traditionelle katholische Gebet „Der Engel des Herrn“, das dreimal täglich zu den angegebenen Zeiten gebetet wird und durch das Glockenläuten begleitet wird.
  • Vor jedem Angelus wird die Glocke neunmal angeschlagen. Dieser sogenannte 3×3-Schlag ruft zum Vaterunser, dem christlichen Grundgebet, das uns von Jesus selber gegeben wurde, wobei sich die Sätze entsprechend den Bitten wie folgt auf die 3 mal 3 Schläge aufteilen: (1) Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. (2) Dein Reich komme. (3) Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. (1) Unser tägliches Brot gib uns heute. (2) Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. (3) Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. (1) Denn dein ist das Reich (2) und die Kraft (3) und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
  • Zwischen 7 Uhr und 21 Uhr wird jede Viertelstunde und jede volle Stunde an­geschlagen. Damit wird nicht nur der Tag strukturiert, wobei heutzutage die Menschen mehrfach mit der Zeit durch Armbanduhr, Handy oder Computer konfrontiert wird. Auch die Vergänglichkeit des Lebens wird durch diese Glockenschläge in das Bewusstsein gerückt.

 

Die Glocken möchten, dass wir Gott Raum in unserem Leben geben, und das nicht nur am Sonntag, sondern unser ganzes Leben lang. Darum gehört ihr Geläut auch zu den Wendepunkten im Leben: zur Taufe und zur Trauung, denn dort stellen Menschen ihr Leben unter den Segen Gottes. Was bei uns fehlt, ist das Läuten beim Sterben und der Beerdigung. Dieses Läuten begleitet uns jedoch auf dem Hauptfriedhof und erinnert uns daran, dass unser Leben auch im Tod in Gott geborgen bleibt.

 

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